Psychoanalytische Traumdeutung und ihre pädagogische Relevanz
S. Freud und C.G. Jung im Vergleich


  • Einleitung

  • Biographische Skizze von Sigmund Freud und Carl G. Jung
  • Psychoanalyse

  • Die Traumdeutung nach Sigmund Freud und Carl G. Jung sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede

    • Definition"Traum"

    • Zweck und Wesen des traums

  • Traumquelle

  • Behanldung von Neurosen/ Entwicklungsstörungen Schlusswort

Einleitung

Ist es nicht komisch: Wir gehen abends zu Bett, um Ruhe und Erholung im Schlafe zu finden, doch dann sind wir in einer Welt voller Phantasie und komischer Bilder. Menschen die wir kennen oder auch nicht, Tiere und auch Landschaften. Wir können in dieser Welt das unmögliche möglich machen. Raum und Zeit spielen keine Rolle mehr und die Natur kann verrücktspielen ohne dass uns dies in diesem Moment komisch vorkommt. Unsere tiefsten Wünsche können wahr werden und zugleich können wir zutiefst leiden, trauern und in großes Unglück zerfallen. Genau so plötzlich wie wir in diese Welt gekommen sind, kommen wir auch wieder heraus, ohne es wirklich zu bemerken und sind ab und zu froh dass es nur ein Traum war. Aber warum? Warum Träumen wir eigentlich? Was ist der Traum? Wo kommt der Traum her und wer bestimmt eigentlich was wir überhaupt träumen? Warum kann ich mich am nächsten Tag nicht mehr an meinen Traum erinnern bzw. nur an kleinen Ausschnitten? Sind Visionen auch Traum und können sie wirklich unsere Zukunft vorhersagen? Und, und, und ...

Diese Fragen haben sich bestimmt schon ganz viele gestellt und stellen sie immer noch. Nun genau aus diesem Grund, weil ich dieselben Fragen habe, habe ich mich entschlossen meine Facharbeit der Traumdeutung zu widmen. Ich habe mir zwei von drei der wichtigsten Psychoanalytiker und zwar Sigmund Freud und Carl Gustav Jung ausgesucht, um meine Fragen zu beantworten. Zuerst werde ich das Leben der beiden Urväter, G.C. Jung und Sigmund Freud, darstellen. Anschließend werde ich ganz kurz, verständlich und präzise die Psychoanalyse vorstellen. Nach diesem Vorgang werden wir zum Hauptteil der Facharbeit kommen, nämlich die Traumdeutung nach Sigmund Freud und C.G. Jung und zugleich einen Vergleich zwischen den beiden machen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten. Des Weiteren werde ich auch einen sehr interessanten Aspekt präsentieren und zwar ob man an Hand der Träume auch Neurosen und Entwicklungsstörungen behandeln kann und wenn ja wie und mit welcher Art und Weise.

Biographische Skizze von Sigmund Freud und Carl G. Jung

Sigmund Freud wurde am 06.Mai 1856 in Freiberg (Mähren) geboren. Er war Sohn jüdischer Eltern und sein Vater war als Geschäftsmann in Freiberg tätig. Die Familie zog im Jahre 1860 nach Wien, wo Freud bis 1938 lebte und wirkte. Er besuchte in Wien das Gymnasium, studierte Medizin und arbeitete als Assistent im physiologischen Laboratorium von Prof. Ernst Brücken wo er sich jedoch mit dem Nervensystem niederer Fischarten befasste. Später arbeitete Freud als Arzt im Allgemeinen Krankenhaus jedoch setzte er seine Forschungen insbesondere über das Zentralnervensystem des Menschen fort. Sigmund Freud galt schon bald in Wien als führender Neurologe. Im Jahre 1885 fuhr Freud nach Paris um sich Fortzubilden. Dabei besuchte er Professor Charlotte, dem ersten Manne auf dem Gebiet der Neurologie und lernte bei ihm die Hypnose kennen. Damals wurde die Hypnose von den meisten Psychiatern als Schwindel betrachtet. Ein Jahr danach kehrte Freud wieder nach Wien und gründete mit interessierten Ärzten, unter anderem Blender und C.G. Jung in Zürich die psychoanalytische Bewegung. Sigmund Freud wird als Gründer der Psychoanalyse angesehen. Nach der Besetzung Österreichs durch Hitler wanderte er nach London aus, wo er 1939 starb.

Carl Gustav Jung wurde am 26. Juli 1875 in Kesswil geboren und war Sohn eines Pfarrers. Um 1875 zog die Familie aus beruflichen Gründen nach Basel. 1900 studierte Jung an der Universität Basel Medizin. Später arbeitete er als Assistent von Eugen Bleuler in der Psychiatrischen Universitätsklinik"Burghölzli". Im Anschluss studierte Jung noch als Privatdozent für Psychiatrie an der Universität Zürich. Mit den Jahren gab es zwischen Jung und Bleuler Konflikte die dazu führten dass Jung seine Tätigkeit am"Bürghölzli" beendete. 1907 begegnete er Freud zum ersten mal und, engagierte sich in der Bewegung Freuds, für den er als Redakteur des Internationalen Jahrbuches für psychologische und psychotherapeutische Forschung tätig wurde." Jung veröffentlichte um 1912 sein Buch"Wandlungen und Symbole der Libido", was zur Trennung der beiden führte, da Jung darin Freuds Libidotheorie kritisierte. Nach der Trennung von Freud fing Jung sich seinen eigenen"Unbewussten""Träumen" und"Fantasien" zu widmen. Nach Freuds Tod entwickelte Jung die Psychoanalyse immer weiter. In seinem letzten Lebensjahr (06. Juni 1961 in Küsnacht),"führte er vermehrt Forschungen über seine Theorie des kollektiven Unbewussten und die Bedeutung der Religion für die Psyche durch." Zusammengefasst, war Carl Gustav Jung"Schweizer Psychiater und der Begründer der analytischen Psychologie." und wie schon erwähnt mit Sigmund Freud einer der Gründerväter der Psychoanalyse.

Psychoanalyse

Die Psychoanalyse wurde Ende des 19.Jahrhunderts von dem Neurologen Sigmund Freud in Wien entwickelt jedoch zählt Carl Gustav Jung genauso wie Sigmund Freud zu den Gründervätern der Psychoanalyse. Es ist nötig zu sagen, dass"Freud seine Theorien im Laufe der Jahrzehnte allmählich entwickelt, einzelne Teile wieder verworfen,umgebaut und erweitert hat." Außer dem hat nicht nur Freud, sondern eine ganze Reihe anderer Forscher ihre Beiträge zur Ausgestaltung der Psychoanalyse geleistet und auch nach Freuds Tod weiter entwickelt. Ein klassisches Beispiel sind:"Alfred Adler (Individualpsychologie), Carl Gustav Jung (Analytische Psychologie), L. Szondi (Schicksalsanalyse)." Sie ist das älteste Psychotherapeutische Verfahren und Grundlage vieler später entstandener Therapieverfahren. Die Psychoanalyse umfasst ganz viele Themenbereiche. Zum einen entwickelte Freud ein Topologisches Model (Bewusst, Vorbewusst, Unbewusst), welches uns veranschaulicht wo sich das psychische Geschehen abspielt, mit den Instanzen (Es,Ich und Über-Ich) die für das psychische Geschehen verantwortlich sind und der Trieblehre, der psychosexuellen Entwicklung beim Kind und der Traumdeutung. Die Psychoanalyse nimmt an,dass diese verschiedenen sexuellen Entwicklungsstufen (oral, anal, genital) als Ursachen der Neurosenentstehung sind. In der Psychoanalyse geht man davon aus, dass unbewältigte Konflikte in der Kindheit die Ursache für psychische Störungen sind. Diese Kindheitserlebnisse werden im Unbewussten weiterwirken und drücken sich als Symptome beim Erwachsenen aus .Die Ziele der Psychoanalyse sind zum einen die"Heilung psychischer und psychosomatischer Störungen aller Art (vor allem Neurosen); Liebes - und Arbeitsfähigkeit; Rekonstruktion der persönlichen Lebensgeschichte durch Aufdecken von Verdrängtem; Bewusstmachen von unbewussten Vorgängen; Befähigung zur Selbstanalyse."

Die Traumdeutung nach Sigmund Freud und Carl G. Jung sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Definition"Traum

Eine eindeutige, einheitliche Definition für den Begriff"Traum" gibt es nicht. Hier sind zwei Deutungsansätze handelsüblicher Lexika exemplarisch dargestellt: 1. im Schlaf auftretende Abfolge von Vorstellungen, Bildern, Ereignissen, Erlebnissen. 2. sehnlicher, unerfüllter Wunsch und etwas traumhaft Schönes; Person, Sache, welche wie die Erfüllung geheimer Wünsche erscheint. Was man aber sicherlich zum Traum sagen kann, ist dass er ein Grenzzustand zwischen Tiefschlaf und Wachsein ist. Träume können in verschieden Variationen vorkommen. Zum einen in realistischen bildhaften Traumelementen mit stärkstem Wirklichkeitsbewusstsein bis zu Träumen im halbwachem oder wachem Zustand. Bevor Sigmund Freud sich über die Träume Gedanken machte und sich damit befasste, bezeichnete und hielt man die Träume für eine"Zuckung des sonst schlafenden Seelenlebens." Eine Deutung der Träume"beschränkte sich in der Regel auf Analogien nach dem Muster antiker oder mittelalterlicher Traumbücher." Sigmund Freud war der erste seiner Zeit, der den Traum als ein"sinnvolles psychisches Gebilde" erkannte.

Zweck und Wesen des Traums

Sigmund Freud beschäftigte sich Jahre lang mit den Träumen um sie entsprechend zu analysieren. Dabei interessierte er sich immer weniger für den"realen Traum", also wie man einen Traum träumt, sondern nur dafür wie man sich an den Traum nach dem erwachen erinnert. Die klassische psychoanalytische Theorie vertritt die Ansicht, dass jeder Traum eine verdeckte Wunscherfüllung in sich trägt. Für Freud waren alle Träume Wunscherfüllungen, d.h in dem Traum treten verdeckte bzw. verdrängte Wünsche in symbolisch verkleideter Form auf, die ins Bewusstsein drängen, jedoch von diesem abgewehrt werden. Insofern handelt es sich beim verdrängten Wunsch um eine Manifestation des ES (latenter Traum). Freud geht davon aus, dass im Schlaf das ICH sehr geschwächt ist. Dies will uns sagen, dass die Libido von dem Handeln (Motorik) und der Sinneswahrnehmung, weitgehend durch das geschwächte ICH eingeschränkt ist. Das ES nutzt die Schwäche des ICH aus und versucht via Rückerinnerung an den Traum ins Bewusstsein zu dringen. Da aber das ICH nur geschwächt ist und nicht ganz außer Funktion, stellt es sich gegen eine unverhüllte Offenbarung des Verdrängten und zwingt damit das Es, den unbewussten, verdrängten Wunsch in Symbole und Bilder zu verschleiern (Traumarbeit). Erst wenn dem ICH, die verschleierten und verdrängten Wünsche als akzeptabel erscheinen lässt es sie ins Bewusstsein (Traumzensur). Man kann daraus erschließen, dass jener Traum, an den wir uns beim Erwachen erinnern, nie genau das ist, was das ES uns zum Ausdruck bringen wollte, sondern er stellt nur einen Kompromiss zwischen dem ES - Impuls und der Gegenwehr des ICH dar. Der latente Traum ist jener Traumgedanke der im ES vorhanden ist und sich im Traum darstellen möchte, also der unverhüllte, verdrängte Wunsch des ES.Der manifeste Traum ist"jener Trauminhalt, welcher durch die Einwirkung der Ich-Zensur entstellt wurde" . Wenn jemand sich an seinen Traum erinnert, handelt es sich dabei um einen manifesten Traum. Nun kommen wir zu der Traumarbeit und der Traumdeutung, die ganz einfach darzustellen sind. Die Traumarbeit macht aus dem latenten Traum den manifesten und die Traumdeutung macht genau den umgekehrten Prozess. Sie entdeckt im manifesten Traum den ursprünglichen latenten Traum. Das Element eines Traumgedankens in Bilder kann in irgendeinem erkennbaren Zusammenhang durchaus mit den latenten Traumelementen stehen. Also"wenn jemand von " in die Schule gehen" träumt, kann damit ganz allgemein die Lebensschule gemeint sein." Um diese Zusammenhänge deuten zu können muss man vom Träumer natürlich alle Erlebnisse welche für die Deutung relevant sind, mitgeteilt bekommen. Das ist der Grund weshalb Freud nichts von reinen Fremddeutungen hielt und seine Analysen zu jedem einzelnen Element des manifesten Traumes frei assoziieren ließen. Im Rahmen dieser Verwandlung von latenten Traumelementen in manifeste Traumbilder fertigte Freud fünf verschiedene Arten von der Traumarbeit an:

1. .Freud hat herausgefunden, dass in der Regel ein Element aus dem manifesten Traum nicht unbedingt immer nur ein Element aus dem latenten Traum verkörpern kann, sondern auch mehre gleichzeitig. Also wenn wir das Beispiel mit dem " zur Schule gehen " wieder aufnehmen, kann die Schule gleichzeitig die Lebensschule verkörpern aber zugleich auch noch eine andere Bedeutung verbergen. Die nannte Freud den"Vorgang der Traumarbeit Verdichtung" .

2. Die zweite Form der Traumarbeit wäre die"Traumarbeit Verschiebung". Bei dieser Form handelt es sich um das Erstellen eine bestimmte Balance hinsichtlich der Bedeutsamkeit der Elemente. Nehmen wir wieder als Beispiel unsere Schule. Es könnte am Anfang so aussehen als wäre es besonders Wichtig, dass die Schule grüne Türen hat, jedoch kann uns eine genaue Analyse zeigen, dass nicht die grünen Türen, sondern die dreieckigen Fenster der Schule eine wichtige Rolle spielen.

3. Die dritte Form ist die"Verkehrung ins Gegenteil" . Wenn jemand also davon träumt in die Schule zu gehen, kann an Hand einer genauen Analyse gezeigt werden, dass der Träumer sich unbewusst das Gegenteil wünscht.

4."Des Weiteren scheint sich der Traumregisseur einen Spaß daraus zu machen, dem Wortlaut einer Sache eine besondere Bedeutung beizumessen." Es kann also jemand von seinem alten Klassenkameraden Manuel Alt träumen und dabei ist eigentlich Immanuel Kant gemeint.

5. Zum Schluss führt Freud noch als fünfte und letzte Form der Traumarbeit ein"...dass bestimmten Gegenständen feststehende Symbole zugeordnet werden ..." . Als kleines Beispiel stellen Kaiser und Kaiserin meist die Eltern des Träumers dar und ihn selbst als Prinz oder Prinzessin. Längliche und scharfe Waffen stellen meist das männliche Glied, Dosen, Schachteln, Kästen etc. stellen den weiblichen Leib dar.

Angesichts des Komplexes der fünf Formen der Traumdeutung lässt sich sagen, dass jeder Traumdeuter in jedem einzelnen Falle vor einer sehr anspruchsvollen Arbeit steht, denn er muss bei jedem einzelnen Element des manifesten Traums zu der Entscheidung kommen, ob es direkt oder gegenteilig zu deuten ist, es einer aktuellen oder einer zurückliegenden Problematik entspricht, ob das Element ein fehstehendes Symbol ist oder durch freie Assoziation gedeutet werden kann, oder ob es als Sache oder Wortlaut gedeutet werden muss. Die Vielfalt der Deutungsmöglichkeiten kann von großen Vorteil sein, denn will man zum Beispiel eine bestimmte Deutungs-Hypothese bestätigen, so kann man einfach"...ein nicht passendes Element ins Gegenteil umkehren". Der Deuter braucht natürlich ein bestimmtes Kriterium welches ihm dabei hilft herauszufinden ob er auf der richtigen Spur ist. Dieses Kriterium ist ein gewisses Evidenz-Erlebnis des Träumers", dies bedeutet dass der Träumer intuitiv spürt, dass die Deutung stimmt und tatsächlich eine bestimmte Problematik enthält die ihn belastet. Freud sagt aber auch, dass es ab und zu mal dazu kommen kann, dass der Analytiker mit seiner Deutung Recht hat, aber der Träumer die als belastend empfundene Wahrheit nicht annehmen kann oder möchte.

Jung ging davon aus, dass der Mensch die Außenwelt benutz um seine innere Welt verstehen zu können. Vor allem die Symbole"der Kunst, der Religion und der Mythologie helfen seit Jahrtausenden die Rätsel des Lebens besser zu verstehen." Er war unter den Vätern der Psychoanalyse der Mythiker. Denn während Freud vieles vom Sexualtrieb ableitete, sah der humanistisch denkende und in protestantischer Tradition aufgewachsene Schweizer Jung das Individuum als ein magisches Wesen. In der Jungschen Therapie wird der Traum als wichtiger Wegweiser zum Unbewussten angesehen. Einer der wichtigsten Aspekte in Jungs Therapie liegt in"... der Individuation, in der Selbstwerdung, in der Begegnung mit"dem Göttlichen in uns selbst." Mit der Individuation meint Jung nichts anderes als zu dem zu werden, der man wirklich ist. Dass das Individuum über seine Fähigkeiten, Anlagen und Möglichkeiten stufenweise bewusst wird und die Realisierung des Selbst als Ziel hat. Die für Jung sehr wichtige Traumanalyse soll zur Selbstentdeckung des Menschen führen, die im Traum durch Symbole eine Botschaft des Unbewussten an uns weiter leiten. Diese Jungsche Theorie steht im Gegensatz zu Freud, den Freuds Theorie besagt, dass man durch die Traumanalyse die verdrängten Wunscherfüllungen der Es-Instanzen deuten kann. Die Deutung dieser Symbolik setzt die Kenntnis der Mythologie, Religionswissenschaft sowie Folklore voraus, mit denen sich Jung intensiv beschäftigte. Ausgangspunkt für die Erforschung der psychischen Realität, ist für C. G. Jung sowie für Sigmund Freud die "Erfahrung" (wobei Jung sich auf die "innere" Erfahrung bezieht), welche für das Bewusstwerden von seelischen Inhalten verantwortlich ist. Jung greift dabei auf persönliche Erfahrungen seiner Analysanden und auf den"...Niederschlag gesamtmenschheitlicher Erfahrungen in der Geistesgeschichte zurück..." denn, damit kann er sich einen epischen Zugang zur Seele verschaffen. Nach Jungs Verständnis haben alle Mythen und Märchen die aus den verschiedensten Kulturen kommen ihre Wurzeln in individuellen Träumen oder Visionen, die zugleich ein eigenen Charakter haben.
Ein anderer interessanter Aspekt der Jungschen Theorie ist, dass der unterbewusste Teil des Menschen sich spalten kann, nämlich in ein kollektives und persönliches Unbewusstes. Jung war auch der Annahme dass das Unbewusste total unabhängig vom Bewussten des Individuum ist und eine"...Erkenntnisfähigkeit besitzt, mit deren Hilfe es in der Zukunft verborgene Lebensmöglichkeiten sehen kann." Jung bezeichnet dieses"absolute Wissen" (das Bewusste im Unbewussten) als "Luminosität". Diese Theorie steht im Gegensatz zu Freud, denn bei Freud gilt es keinen kollektiven Sinn wie bei Jung. Das persönliche Unbewusste ist ein Sammelbecken verdrängter Gedanken und Gefühle, die bewusst in den Träumen und in gewissen Verhaltensweisen (z. B. Versprechen) auftauchen. Wichtig ist der Teil beim persönlichen Unbewussten dem Jung als "Schatten" bezeichnet. Das kollektive Unbewusste ist eine Instanz die allgemein menschliche Erfahrungen beinhaltet (absolutes Wissen = Luminosität) und sich duch eine hieroglyphisch verschlüsselte Bildsprache (Archetypen) spricht, die mit unserer logischen Sprache nichts zu tun hat. Nun ist es"...unsere Aufgabe als Analytiker in der Traumdeutung darin, diese hieroglyphisch verschlüsselte Sprache des kollektiven Unbewussten möglichst objektiv, das heißt, auf die eigentliche Problematik des Analysanden bezogen, zu entschlüsseln." Beide Unbewussten befinden sich in eine ständig gegenseitige Beeinflussung, wobei aber das kollektive Unbewusste der wichtigste Teil ist. Selbst das neugeborene ist in der Lage bestimmte archetypische Formen und Symbole zu erkennen und ohne dass es das Individuum merkt, prägen sich die Archetypen, die Beziehungen die mit seinem Leben von Bedeutung sind ein. "In der analytischen Psychologie wird das Konzept der Archetypen, kollektives Unbewusstes genannt. Wenn ein archetypisches Verhalten unterdrückt wird, so manifestiert sich dieses Verhalten im Traum einseitig in einen Schatten. Jung erkannte in Träumen vier Hauptkategorien von archetypischen Symbolen." Der Schatten, der das alles enthält was der Mensch nicht möchte und so zu sagen eine zweite Persönlichkeit bzw. eine "dunkle Seite" bildet.

2. Die Anima und Animus:"Die Anima verkörpert alle weiblichen Seeleneigenschaften im Manne (Stimmungen, Gefühle, Ahnungen etc.) und der Animus ebenfalls das gleiche, nur bei der Frau. Niemand ist nur männlich oder nur weiblich. In jedem Menschen sind beide Elemente vorhanden und individuell kombiniert.

3. Der alte weise Mann ist die Weisheitssicht der Psyche.

4. Das Selbst verkörpert sowohl die Ich-Instanz wie auch das Unbewusste. Ebenfalls stellt es die Gesamtpsyche dar und ist zugleich die Selbsteuerungs- und Endwicklungsinstanz der Psyche. Bei Freud finden wir auch Archetypen, die er Symbole nennt. Ebenfalls hat Freud nicht nur vier Hauptsymbole sondern auch bestimmte Kategorien aufgestellt und einige symbolische Bilder nach ihrem Aussehen kategorisiert (z.B: alle länglichen Bilder verkörpern das männliche Geschlecht und alles Dosenförmige das weibliche Geschlecht).

Nun nochmal eine kleine Zusammenfassung der Unterschiede zwischen der Freudschen und Jungschen Theorie. Der materialistisch orientierte Freud bezog seine gesamte Arbeit auf die Sexualität und die Konflikte, welche meistens aus unverarbeiteten Triebproblemen hervorgehen. Jung dagegen hat erkannt, dass die meisten Probleme seiner Patientinnen die über 35 waren, in der religiösen Natur lagen. Ein anderer Unterschied zwischen den beiden war, dass Freud die Probleme Erwachsener zurück in die Kindheit verfolgte. Freud schaute fast immer in die Vergangenheit wobei Jung immer in die Zukunft schaute. Während Freud länger dauernde therapeutische Behandlungen, seelische Tiefenbohrungen machte und fast immer bei dem Mutter-Vaterkomplex (Ödipuskomplex) landete, wollte Jung"...möglichst rasch"Individuation", Emanzipation, Selbständigkeit und geistige Widerstandskraft mobilisieren." Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden ist die Therapiezeit, die bei Freud vier bis fünf Jahre dauerte aber bei Jung nur 18 Monate. Eine Gemeinsamkeit der beiden ist auf jeden Fall dass sich beide mit dem Unbewussten des Menschen beschäftigten und dass beide zu dem Endschluss kamen, dass der Traum der Weg zum Unbewussten ist. Jungs Lehre wurde wie schon bei vielen anderen von seiner Biographie geprägt. Er bedauerte dass es keine staatlich anerkannte Schule seine Theorie anerkannte, jedoch zeigte Jung uns dafür die Schule in uns:"die individuellen seelischen Entwicklungswege, die Träume, das Unbewusste."

Traumquelle

Wo entzieht eigentlich der Traum einerseits die latenten Inhalte und anderseits die manifesten Bilder her? Freud ging davon aus, dass in allen latenten Träumen die Kindheitserinnerungen eine bestimmte Rolle spielen, bzw. zu mindestens mitbeteiligt sind. Ebenfalls hatte Freud die allgemeine Ansicht, dass die frühe Kindheit für das ganze Leben von großer Bedeutung ist"und dass auch allen neurotischen Störungen irgendwelche belastenden Erlebnisse in der Kindheit zu Grunde liegen ." Bei der Wahl der konkreten Bilder sind nach Freud drei verschiedene Arten von"aktuellen somatischen (körperlichen) Quellen maßgebend ..." . Zum einen von"äußeren Objekten ausgehende Sinnesreize (Gerüche, Lärm), subjektiv begründete Erregungszustände der Sinnesorgane (Ohrensausen) und aus dem Körperinnern stammenden Leibreize (Verdauungsbeschwerden, Drang)." Für die genaue Gestaltung der manifesten Bilderwelt sind nach Freud Tagesreste, also Erlebnisse aus dem Vortag wichtiger. Denn Freud nahm an, dass nicht die Erfahrungen die etwa um einige Tage, Wochen oder Monate zurückliegen ausschlaggebend sind, sondern die Erfahrungen vom Vortag. Sollte jedoch trotzdem etwas im Traum auftauchen das in der letzten Woche passiert ist,so ging Freud davon aus, dass man am Vortag mindestens daran gedacht haben muss.

Wo entzieht eigentlich der Traum bei Carl Gustav Jung seine Traumelemente? Träume entstehen nach Jung aus den restlichen Eindrücken des Tages. Als kleines Beispiel: Wünsche und Konflikte, die aus dem Bewussten und unbewussten des Träumers herführen. Es können aber auch sogenannte historische Geschehen und prophetische Vorstellungen, sogenannte somatische (leibliche) Eindrücke mit einfließen. Jung ist auch der Meinung, dass es so genannte Schockträume gib. Diese Schockträume sind oft Folge von traumatischen Erlebnissen. Erlebnisse die im wachen Zustand erlebt und im Traum nicht wieder abgespielt werden, sondern sich im Traum weiterentwickeln.

Behandlung von Neurosen / Entwicklungsstörungen

Freud war der erste, der auf Grund theoretischer Überlegungen Träume bei der Behandlung von Neurosen verwendete. Er ging davon aus, dass in allen Träumen die Kindheitserinnerungen eine bestimmte Rolle spielen oder zumindest mitbeteiligt sind und allen neurotischen Störungen irgendwelche belastenden Erlebnisse in der Kindheit zu Grunde liegen (Vgl.: Traumquellen). Seitdem hat sich vieles verändert und nur noch wenige Therapeuten arbeiten streng mit Freuds Traumtheorie. Jedoch wird der Grundgedanke von Freud, dass der Traum der Weg zum Unbewussten ist, von vielen Therapeuten geteilt. Was ist eigentlich eine Neurose?"Ganz allgemein gesagt, handelt es sich bei Neurosen um psychische oder körperliche Erkrankungen, deren Ursache in einer erlebnisbedingten Störung der Person-Umwelt-Beziehung liegt. Ziel der Psychotherapie ist die Beseitigung dieser erlebnisbedingten Störung. Das ist in der Regel ein recht langwieriger Prozess". Solche Störungen / Neurosen im frühen Kindheitsalter, können zu Entwicklungsstörungen des Kindes führen. Es gibt bestimmte Hilfsmittel um den Grund für die Störungen zu ermitteln und somit auch zu beseitigen. Eines dieser Hilfsmittel ist die Traumbearbeitung. Dabei muss man zwei Aspekte voneinander unterscheiden, nämlich den diagnostischen und den therapeutischen, welche sich aber nicht voneinander trennen lassen. Durch den diagnostischen Aspekt versucht man durch den Träum des neurotischen Patienten Hinweise auf konkrete Erlebnisse zu finden, die ausschlaggebend für die Neurose und ihre Symptome sind. Bei dem therapeutischen Aspekt versucht man die Störung zu beheben.
Zusammengefasst kann man an Hand von Freuds Grundgedanken der Traumanalyse, den Grund für eine neurotische Störung finden und beheben. So kann man auch die Entwicklungsstörungen bei einem Kind langsam durch Therapien beheben, um dem Kind zu einem normalen Leben zu verhelfen.

Schlusswort

Nun werde ich mein Fazit aus dem Vergleich der beiden Psychoanalytiker ziehen. Carl Gustav Jung war Schüler von Freud und hat den Grundgedanken der Traumanalyse ( der Traum ist der Weg zum Unbewussten ) übernommen und mit den Jahren weiter entwickelt.

Obwohl Jung ursprünglich ein Schüler Freuds war, sind beide für mich wie Licht und Dunkelheit. Die Theorie Freud"s, dass Träume nur"Wünsche des Unterbewusstseins" sind, halte ich schlichtweg überheblich.. Mit dieser Theorie, dass der Traum das Unterbewusstsein frei lässt (insbesondere in sexueller Hinsicht), beschränkt er sich nur auf ein kleines Gebiet und lässt alles andere aussen vor, wie zum Beispiel das wichtigste der heutigen Psychologie, nämlich die Seele. Jung war da ganz anders. Er hatte eine psychologische Ausbildung, ruhte sich jedoch nicht darauf aus,sondern er ließ sich von seinem Inneren leiten. Meinem Wissen nach, war Jung der erste Psychologe der die Seele des Menschen untersuchte und dem Übersinnlichen eine "Gestalt" gab. Jung ging mit mehr Reife an dieses Thema herran und bot sinnvollere Schlussfolgerungen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich eher der Jungschen Theorie zustimmen würde denn, in meiner Hinsicht kann ein Traum mehre Bedeutungen haben als nur unterdrückte Sexualität oder ähnliches. Jedoch und ich spreche aus eigener Erfahrung und Beobachtung, geht es in "normalen" Träumen mehr um die Verarbeitung von erlebten Wünschen, Ängsten, Hoffnungen etc. . Man könnte sagen, dass starke Emotionen das Traumgeschen formen. Ebenfalls spielt bei der Psychologie die Seele eine große Rolle, welche bei Freud außen vor gelassen wurde.
Quellennachweis auf Anfrage: info@abi-deutsch.de